Unser Leben geschieht hier und jetzt. Das Entscheidende ereignet sich in der Gegenwart. Und doch beschäftigen uns immer wieder Vergangenheit und Zukunft. Ängstigen uns, bereiten uns Sorge. Was ist, wenn ich die Prüfung nicht bestehe? Warum finde ich immer noch keine Arbeitsstelle? Es ist mitunter schwer, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Und doch: Unser Leben geschieht hier und jetzt.

 

„Beten ist die Disziplin des Augenblicks“, schreibt der von mir geschätzte Theologe Henri Nouwen. „Beten heißt, dem aufmerksam zu lauschen, der hier und jetzt zu uns spricht.“ Wenn wir das immer mehr versuchen, wenn uns das schließlich gelingt, dann können wir auch vertrauen, dass Gott an unserer Seite ist, dass er für uns sorgt. Dann brauchen uns Vergangenheit und Zukunft nicht mehr zu ängstigen. Dann können wir uns ganz der Gegenwart zuwenden. Dann können wir uns von ihm führen lassen – vielleicht auch an einen Ort, in eine Aufgabe, die wir so noch gar nicht im Blick hatten. Unser Leben wird dann gelingen, dessen bin ich gewiss.

 

Aber um die Stimme Gottes im lauten Alltag zu hören, müssen wir still werden. Auch einmal das Alleinsein aushalten, ja vielleicht sogar suchen und dankbar annehmen. Ohne Hinhören, ohne lauschen können wir die Stimme der Liebe nicht vernehmen. Henri Nouwen empfiehlt: Wenn uns jeden Tag dieses Hören und Lauschen wenigstens für ein paar Minuten – dort, wo wir gerade sind – gelänge, würden wir die Nähe Gottes zu uns, seine liebende Fürsorge entdecken. Dann können wir ganz im Hier und Jetzt leben, im Augenblick. Denn, so der russische Dichter Leo Tolstoi:

 

  • Die wichtigste Zeit ist der Augenblick. Wir haben nur jetzt Gewalt über uns.
  • Der wichtigste Mensch ist der, mit dem du in diesem Augenblick zusammen bist. Denn vielleicht ist es ja der letzte, mit dem du zusammenkommst.
  • Und das wichtigste Werk: Sei gut zu diesem Menschen! Denn nur dazu hat Gott uns das Leben geschenkt.