Wurzeln & Flügel

„Mit Wurzeln und Flügeln leben lernen.“ Ich lese diese Wort und denke, wie kann das gehen: Mit Wurzeln und Flügeln leben lernen? Die Wurzel hält mich im Boden fest. Die Flügel dagegen tragen mich nach oben, in die Lüfte...

 

Von Goethe soll das Wort stammen, habe ich gehört. Die katholischen Schulen im Bistum Magdeburg haben es sich als Leitwort ausgesucht. In der Langfassung heißt es: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“.

 

Der Wurzelgrund, denke ich, ist unser christlicher Blick auf die Welt, das Mühen um Gerechtigkeit und Frieden und um die Bewahrung der Schöpfung. Zugleich sind wir aber auch herausgefordert, die uns geschenkte Freiheit und unsere Vernunft zu gebrauchen. So könnte Goethe es vielleicht gemeint haben: Wer sein Leben auf festen Grund baut, wer in diesem Grund verwurzelt ist, der kann auch Großes vollbringen.

 

Und mir fällt dabei noch ein ganz ähnliches Wort ein. Viele von uns laufen Tag für Tag daran vorbei. Am Eingang zu den Franckeschen Stiftungen steht es: „Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“

 

„Mit Wurzeln und Flügeln leben lernen“ kann also auch heißen: Wer sein Leben in Gott festmacht, der hat festen Boden unter den Füßen, ist gut verwurzelt. Wer Gott vertraut, den wirft so schnell nichts um. Zugleich kann er aber auch aufsteigen wie ein Adler.