Geht in euren Tag hinaus...

Dieser Tage sind mir wieder Texte der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl in die Hände gefallen. Diese Frau begeistert mich schon eine Weile. Sie hat ihren Glauben konsequent gelebt und ohne Kompromisse.

 

Delbrêl war fest davon überzeugt, Gott, Jesus, ist unter den Menschen zu finden. Bei den einfachen Leuten. So hat sie sich entschieden, als Sozialarbeiterin zu arbeiten. Sie hat zugehört, geholfen, geliebt. Immer, wenn sie gebraucht wurde, war sie für die Menschen da. Sie schaute nicht von oben auf ihre Mitmenschen, sondern lebte als eine von ihnen.

 

Dieses Wort geht mir besonders nach: „Die Nächstenliebe ist wie eine Brücke, die Gott und Mensch in einem einzigen Bogen verbindet. Dieser Bogen kann nicht aufgeteilt werden. Er ist eine Einheit, wie eine Hin- und Rückfahrkarte.“

 

Jesus, so Madeleine Delbrêl, war mitten unter den Menschen. Das war sein Ort, um von Gott zu erzählen, von seiner Hoffnung und dem Reich der Himmel und um ihnen Mut zu machen. Delbrêl war davon überzeugt, dass Gott sich ihr und auch uns in den Menschen auf der Straße zeigt, uns dort wirklich begegnet.

 

Ihr vielleicht berühmtestes Zitat kann auch in uns, denke ich, den Geist neu beleben, der uns ja alle erfüllt:

 

Geht in euren Tag hinaus
ohne vorgefasste Ideen,
ohne an Müdigkeit zu denken,
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über ihn,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek –
geht so auf die Begegnung mit ihm zu.
Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens.