Genau richtig - Gedanken zum Weihnachtsfest

 

„Was ist der Mensch? Das war die Frage.
Ist es nur ein glücklicher Zufall, dass wir hier sind?
Können wir all das mit etwas anderem in Verbindung bringen als mit Physik und Chemie?“

 

Ich lese gerade die Geschichte von Jostein Gaarder „Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht“. Ziemlich mitten drin in der Erzählung – fast schon als Dreh- und Angelpunkt – steht diese Frage: „Was ist der Mensch?“

 

Für mich – heute – ist das eine sehr weihnachtliche Frage, denn das Weihnachtsgeschehen antwortet genau darauf: Kern unseres christlichen Glaubens ist neben dem Vertrauen auf die Auferstehung Jesu von den Toten doch vor allem sein Leben hier in dieser, in unserer Welt. Am Beginn unserer Geschichte mit Jesus steht das: Gott ist durch eine Frau Mensch geworden, einer von uns. Ganz egal, ob im Stall von Betlehem oder wo auch immer.

 

GOTT – was immer dieses Wort uns sagen mag, das wir nicht fassen können, das uns wohl ewig ein Rätsel bleibt – der Schöpfer und Urgrund von allem, der, der immer größer ist… GOTT ist auf eine Ebene mit seinen Geschöpfen getreten. Der Schöpfer hat sich so klein gemacht, wie ich bin.

 

Und mich und Dich, uns alle damit ganz groß.

 

Das Sein des Gottessohnes in unserer Welt von der Geburt bis zur Auferstehung ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Geschichte, der Menschheitsgeschichte. Wir dürfen an einen Gott glauben, der um uns weiß, der bei uns ist, dem wir nicht fern und egal sind, der Leid kennt, der aber auch Freude am Leben und seinen Mitmenschen hat. Durch seine Geburt in dieser Welt hat Gott uns Menschen und unsere Welt geheiligt. Er hat uns neues Heilwerden ermöglicht, er nimmt uns aber auch neu in Verantwortung:

 

Wir sollen Gottes Liebe zu seiner Schöpfung bekennen überall dort, wo wir auf andere Menschen treffen, und auch allem anderen gegenüber, der Natur in ihren unendlichen Facetten. Dieses Bekennen in Wort und Tat kann sehr verschiedene Formen annehmen. Da kann jede und jeder, denke ich, den eigenen Weg finden. Es ist die Mühe wert, einmal in aller Stille am Ende dieses Jahres darüber nachzudenken…

 

Jostein Gaarder stellt bei seiner Suche nach einer Antwort auf die eingangs zitierte Frage fest, dass alles Sein und Nichtsein „genau richtig“ ist. Auf unfassbare Weise ist die Entwicklung so verlaufen, dass wir hier und heute auf dieser Erde leben. Wirklich ein Zufall? Das kann ich nicht glauben.