Helden des Alltags

Heute feiert die Kirche "Allerheiligen". Ich frage mich mal wieder: Was ist das eigentlich, ein Heiliger? Nur Frauen und Männer, die die Kirche offiziell zu Heiligen erhebt?

Mir ist das zu kurz gegriffen. Das können nur Einzelne sein, herausgegriffen aus einer riesigen Schar von Menschen, die sich bewusst oder unbewusst, gläubig oder ungläubig am Evangelium orientieren, an der Botschaft Jesu.

Zu dieser großen Zahl - zu "Allerheiligen" - zählen für mich auch Helden des Alltags, wie sie der Passauer Professor Hans Mendl sammelt, porträtiert und vorstellt. Mendl zeigt Menschen, die in einer bestimmten Situation oder auch dauerhaft etwas nicht gerade Selbstverständliches getan haben oder immer noch tun: aus Überzeugung, aus einem festen Glauben heraus, aus Liebe, aus Mut.  Hier wenige Beispiele kurz angerissen. Menschen, auf die wir beim Fest Allerheiligen ganz sicher auch blicken dürfen:

  • Ein Verkehrsunfall riss Veronika Saller mit erst 19 Jahren aus dem Leben. Ihr Vater stimmte nach kurzem Zögern zu, ihr die Organe entnehmen zu lassen. Sechs Menschen konnten ein neues Leben beginnen. Eineinhalb Jahre später brauchte Peter Saller selbst ein neues Herz und bekam es. Seitdem klärt er über die Organspende auf. Sein Motto lautet: „Nimm deine Organe nicht mit in den Himmel. Der Himmel weiß, wir brauchen sie hier!“
  • Ohne Rückfahrkarte einen Ausflug in eine gute Welt wagen: Andy Wimmer fühlt sich in Mutter Teresas Sterbehaus in Kalkutta frei und glücklich, er arbeitet dort als freiwilliger Helfer. Der Ingolstädter entschied sich für diesen radikalen Weg. Er war PC-Experte bei einer Bank in München. Aber ein Trip nach Indien veränderte sein Leben. Entscheidend dafür war der Besuch im Sterbehaus des Ordens von Mutter Teresa. Er wurde Volunteer. Das bedeutete: Eiternde Wunden behandeln, Toiletten säubern, Erbrochenes aufputzen.
  • Seit fünf Jahren fährt Georg Wagner nach Rumänien. Dort verteilt er Spenden von Menschen aus seinem Heimatort, die die Not der Armen lindern helfen wollen. Die Fahrten allein mit seinem Wagen bedeuten für ihn eine große Anstrengung und Stress. "Bedrückend für mich ist, dass ich jedesmal wieder mit besonders schlimmen Fällen konfrontiert werde", sagt Wagner. Er trifft auf allein lebende kranke Menschen und auf kinderreiche Familien, die aus Wohnungsmangel im Winter in den Tunnels der städtischen Heizleitungen vegetieren müssen, um nicht zu erfrieren. Hier will Wagner helfen.
  • „Ich habe nichts anderes gemacht, als das, was meine Kollegen tagtäglich tun“, sagt der Passauer Polizeipräsident Alois Mannichl, der vor seiner Haustür niedergestochen wurde. Mannichl tat eigentlich nichts anderes, als die vorhandenen Gesetze anzuwenden: So griff er immer dann konsequent ein, wenn die Ewiggestrigen verbotene Symbole verwendeten. Als ein NPD-Aktivist bei der Beerdigung des Altnazis in Passau eine verbotene Reichskriegsflagge niederlegte, wurde er festgenommen. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten schränkte Mannichl das öffentliche Auftreten der Rechten so weit wie möglich ein. Er scheute sich auch nicht, die Rechten Aug’ in Aug’ in die Schranken zu weisen, so bei einer Gedenkfeier zum Volkstrauertag, den die NPD auf dem Passauer Friedhof für ihre Agitation missbrauchen wollte. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus rief Mannichl zum zivilcouragierten Kampf gegen Rechts auf: „Ich habe den Weg hier bewusst gewählt, ich wollte nicht durch die Hintertür hinausgehen. … Wir dürfen uns nicht von Einzelnen einschüchtern lassen.“