Verblüffend & fragwürdig

Das Kreuz – immer wieder begegnet es uns auch außerhalb der Kirche. Für mich verblüffend und fragwürdig, dass viele es als Schmuck tragen. Das Kreuz konfrontiert doch zunächst einmal mit dem Tod, auch mit unserem Tod. Es erinnert: Zum Leben gehören auch Verletzungen und Leiden, Schande und Vergeblichkeit. Das Kreuz als Schmuck?

Oft verdrängen wir aber nicht nur die grausame Wirklichkeit des Kreuzes. Auch unsere eigenen Niederlagen wollen wir gelegentlich nicht wahrhaben. Wir leiden darunter, aber wir können oder wollen darüber nicht sprechen.

Oder wir sehen fremdes Leid – in der direkten Begegnung oder im Fernsehen – aber berührt es uns noch? Ich selbst ertappe mich ja immer wieder, wie ich während der Nachrichten Abendbrot esse.

Das Kreuz protestiert gegen diese mangelnde Sensibilität. Es will an die Ursachen unseres Leidens erinnern. Das Kreuz konfrontiert uns mit Hass und Unversöhnlichkeit.

Natürlich hat das Kreuz nicht allein diese grausame Bedeutung. Wir Christen verehren es schließlich auch als Zeichen des neuen Lebens. Jesus, der am Kreuz hingerichtet wurde, lebt wieder. Er hat es verwandelt zum Siegeszeichen.

Aber trotzdem: Zum Siegeszeichen, zum Symbol der Auferstehung wird das Kreuz nur, wenn wir zuvor den Mut aufbringen, das Böse wahr zu nehmen.

Das Kreuz – wo immer wir ihm begegnen - kann uns erinnern: Erst wenn wir uns der Wirklichkeit stellen mit ihren Tiefen - erst dann - können wir aufrichtig mit einander leben. Und es erinnert uns: Wir sind in unserer Not nicht allein. Es gibt Hoffnung. Immer…