Weniger ist mehr

 

Mich treibt in diesen Wochen das Wort „lassen“ um. Es ist beinahe unglaublich, wie vielschichtig es sich zeigt: Gelassen – Verlassen, Auflassen – Überlassen, Vorlassen – Nachlassen, Zulassen – Freilassen. Mich beschäftigt aber gerade das Loslassen und Verlassen.

 

Beide Worte haben etwas ausgesprochen Biblisches: Die Jünger|innen Jesu lassen alles los und folgen seinem Ruf. Sie verzichten, um Neues zu erfahren. Sie verlassen ihr bisheriges Leben, um sich ganz auf Jesus zu verlassen. Auch der lässt los: seine Familie und schließlich sogar sein Leben.

 

Jesus fordert auch uns auf, loszulassen: „Wenn du vollkommen sein willst, geh´, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!“ Papst Franziskus wiederum schreibt in Laudato si: Es ist wichtig, eine alte Lehre anzunehmen, die in verschiedenen Religiösen Traditionen und auch in der Bibel vorhanden ist. Es handelt sich um die Überzeugung, dass „weniger mehr ist“.

 

Das Loslassen, die Rückkehr zum wirklich Wesentlichen, erlaube uns innezuhalten, um das Kleine zu würdigen; um dankbar zu sein für das viele, was uns das Leben immer wieder bietet. Die christliche Spiritualität, so der Papst, regt dazu an, auch mit Wenigem froh zu sein.

 

Lassen ist ein Wort, das sich ganz entscheidend durch unser Leben zieht, eine Haltung. Wir können lassen. Immer wieder aber müssen wir auch lassen. Manchmal auch von uns lieben Menschen.

 

Doch als Christen dürfen wir vertrauen: Dieses Lassen lässt uns nicht in ein Loch fallen. Wir können nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand. Wer loslässt, der wird irgendwann frei. Er kann sich – auf Gott vertrauend – nach Neuem ausstrecken.