Gottes Menschenfreundlichkeit vermitteln

Himmel, Sonne, Hände formen ein Herz

 

Am Mittwoch hat unser Bischof über die Gaben gesprochen, die uns der Gottesgeist schenkt: Jeder und jedem von uns teilt er eine besondere Gabe zu. Und er schenkt sie uns, damit sei anderen nützt. Paulus ermuntert, die ganz eigene Gabe auch für andere einzusetzen.

 

In der jungen Gemeinde in Korinth, so der Bischof, gibt es offensichtlich noch viele Fragen und sehr verschiedene Antworten; ja, es droht der Gemeinde sogar eine Spaltung. Durch den Einsatz der individuellen Begabungen, soll die Spaltung abgewendet und die Einheit der Gemeinde bewahrt werden.

 

Diese Situation ist uns auch heute vertraut: Wir erleben Kirche und Gesellschaft im Umbruch. Spannungen und Konflikte haben enorm zugenommen und fordern uns heraus … Die Lehre des Paulus kann uns hier weiterhelfen.

 

Mir gefallen die Gedanken von Bischof Feige und ich sehe in ihnen auch eine gute Anregung für uns, wollen wir doch für Studierende und Azubis da sein, ihnen und uns miteinander einen lebenswerten Ort ermöglichen auf dem Grund unseres Glaubens und mit den Gaben, die uns geschenkt sind.

 

Das Wichtigste habe Euch darum hier noch einmal herausgepickt:

 

Die vielen unterschiedlichen Gaben entspringen nämlich dem einen Geist: Einheit in Vielfalt ist es, was Paulus lehrt. Und er ermutigt dazu, die Vielfalt dabei nicht zu verwischen, sondern er bekräftigt sie und fordert dazu auf, die uns je eigene besondere Gabe für das gemeinsame Wohlergehen und den gegenseitigen Nutzen einzusetzen. Das bedeutet aber auch, sich sowohl als Einzelne als auch gemeinschaftlich als Kirche dessen bewusst zu sein. Keine und keiner der Getauften dürfte sich dieser Herausforderung entziehen und auf andere verweisen. Jede und jeder kann das Antlitz der Kirche verdunkeln oder ihr Leuchten verstärken.

 

Dabei würde auch deutlich, dass Kirche kein Selbstzweck ist, „kein Ofen“ – wie es Karl Rahner einmal gesagt hat – „der sich selber wärmt“, oder auch – wie Heinz Zahrnt es ausgedrückt hat – „keine Thermoskanne, nach innen heiß und nach außen kalt“. Kirche ist vielmehr für die Menschen da, muss bei ihnen sein und sich für ihr ganzheitliches … Heil engagieren.

 

Sich dieser doppelten Ausrichtung auf Gott und Menschen bewusst zu bleiben und nicht einseitig nur humanistisch oder nur religiös zu sein, macht das Proprium von Kirche aus.

 

Dabei in allem die Menschenfreundlichkeit Gottes zu vermitteln, ist eine zentrale Aufgabe. Dazu kann auch gehören, sich öffentlich zu Wort zu melden, wo das Leben und die Würde von Menschen auf dem Spiel stehen: in der Forschung wie in der Medizin, unter ökonomischen Aspekten wie im alltäglichen Umgang miteinander, durch aggressives und gewalttätiges Verhalten bis hin zu rechtsextremistischen Tendenzen und Übergriffen gegenüber Flüchtlingen und Migranten. Hierzu können wir unmöglich schweigen, vor allem auch, wenn manche meinen, ein sogenanntes christliches Abendland und seine Werte mit unchristlichen Methoden retten zu wollen. Da ist es geradezu unsere Pflicht, in Erinnerung zu rufen, dass es keine Gottesliebe ohne die Liebe zu den Menschen gibt, und zwar zu allen Menschen. In diesem Sinne betrifft der christliche Glaube den ganzen Menschen in all seinen Beziehungen, ist immer auch politisch und nicht – wie manche meinen – nur eine private Gefühlsduselei. Mehr denn je bedarf es dazu wirklich überzeugter und begeisterter Christen, denn „nur wer brennt, entflammt auch andere“.