Was Ostern ist ...

Was ist Ostern für mich in diesem Jahr? Ich frage mich das schon eine Weile. Wo erlebe ich Ostern in diesen Wochen? Wo begegne ich dem auferstandenen Christus, der uns ja zugesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Der, so will ich glauben, mit uns unterwegs ist ebenso, wie mit den Emmaus-Jüngern.

 

Ich spüre, wie mir die Pandemie zusetzt. Mir fehlt die menschliche Nähe. Ich sehe Menschen leiden: Kranke und Alleingelassene, Arbeitslose und andere, die um ihre Existenz bangen. Und dann die Querschläge aus Rom für alle, die aus Liebe zu Christus und seiner Kirche mühsam neue Wege suchen. Wo erlebe ich Ostern in diesen Wochen?

 

Natürlich ist die Zuversicht noch da, die Hoffnung und das Wissen, dass vieles besser wird; aber manchmal wünsche ich mir schon mehr Kraft, mehr Geduld.

 

Es gibt aber auch die anderen, die schönen und wunderbaren Momente: Wenn ich sehe, wie unsere Gemeinderäte und manche andere sich in ihre Aufgaben knieen und immer neue Ideen wirklich werden lassen… Wenn ich die vielen Stellungnahmen lese zur römischen Absage an den Segen für Liebende gleichen Geschlechts.

 

Und dann sind da die stillen Momente des Gebets, des Hinhorchens auf das, was Gott uns sagen will. Momente in denen ich auftanke an der Quelle des Lebens. Augenblicke, in denen ich die Nähe Jesu ahne. Ich glaube, er spricht tatsächlich durch die Pandemie zu uns. Will er uns ausbremsen bei einem irren Wettlauf gegen uns selbst? Will er uns zeigen, das echte menschliche Kontakte viel viel mehr wert sind als virtuelles Miteinander und Chats? Führt er uns Schönheit und Wert der Schöpfung neu vor Augen, vielleicht gerade noch rechtzeitig?

 

Diese Gedanken und was daraus folgen kann, das ist in diesem Jahr Ostern für mich. Das sind Momente der Auferstehung und Augenblicke der Besinnung auf die Gute Nachricht, die Jesus uns gebracht und vorgelebt hat. Ja, da schöpfe ich Kraft und Hoffnung. Ich ahne, dass diese Zeit auch eine Chance ist.

 

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

 

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht. | Kaschnitz

 

Christus ist auferstanden.
Ja, er ist wahrhaftig auferstanden!