Das richtige Maß finden

Vor wenigen Tagen war es wieder mal so weit: Ich hatte mich eine Stunde durchs Fernsehprogramm gezappt und überhaupt nichts Sehenswertes gefunden. Ich war richtig frustriert über das an diesem Abend wirklich schlechte Fernsehen und über mich. Leider hatte ich es nicht geschafft, die Kiste einfach abzuschalten... Dabei hatte ich gerade kurze Zeit vorher ein Buch gelesen über die letzte der vier Kardinaltugenden. Nach Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit geht es bei der Temperantia um das richtige Maß.

 

Es gibt in unserer Sprache leider kein Wort, für den wahren Sinn dieser Tugend, so wie die römischen Philosophen sie verstanden. Wenn wir vom richtigen Maß sprechen oder vom Maßhalten, denken viele nur an Mäßigung beim Essen und Trinken. Der wirkliche Sinn der Temperantia liegt aber tiefer und meint so viel wie „ordnende Verständigkeit“. Eine Tugend also, die aus vielen Teilen ein geordnetes Ganzes erstellt. Ein Verhalten, das uns helfen kann, im Wirrwarr des Lebens zurecht zu kommen.

 

Ein wichtiges Ziel des Maßhaltens in diesem Sinn wäre darum zum Beispiel die sogenannte „Ruhe des Gemüts“. Die „Ruhe des Gemüts“ – seinen Seelenfrieden – findet, so sehen es die alten Philosophen, wer sich außer um Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit in allem auch um das richtige Maß müht und so schließlich Ordnung schafft in sich selbst.