Weisheit
Sitz der Weisheit | Darstellung im Erfurter Dom || Foto: privat

Klug ist nicht immer weise

 

 

 

Der Lesungstext vom letzten Sonntag geht mir noch nach: „Ich betete und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir… Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.“ (Buch der Weisheit, 7,7ff.)

 

Vielleicht denkt jetzt mancher von Euch: Was soll ich mit Weisheit. Weisheit, die ist doch bestenfalls den Alten gegeben… Ganz sicher nicht!

 

Vor vielen Jahren sagte eine Lehrerin zu mir, und ihr Wort bewegt mich noch immer: „Wer ein guter Großvater werden will, muss mit 20 Jahren anfangen.“ Ich denke, sie hatte recht. Und mit der Weisheit verhält es sich ganz ähnlich: Auf die Haltung kommt es an, auf meine Bereitschaft, sie zu empfangen. Um weise zu werden, muss ich mich nach Weisheit sehnen, ich muss sie wollen so wie der Beter im oben zitierten Buch.

 

Aber was ist Weisheit und wer ist weise? Intellekt und Klugheit alleine sind es nicht. Es gibt viele Kluge und Intelligente, die alles andere als weise sind. Um eine Partei zu führen oder einer Fraktion im Bundestag vorzusitzen braucht es wohl schon eine gute Portion Intelligenz; doch wer dann über Menschen hetzt und Hass gut heißt oder sogar schürt, ist alles andere als weise.

 

Weisheit  ist eng verbunden mit Güte und Liebe, mit Gelassenheit und einer gesunden Beharrlichkeit. Mit der Kraft, einen Menschen nicht zu verstoßen, wenn er sich anders verhält als erwartet. Hilfreiche Grenzsteine auf dem Weg zur Weisheit sind die Kardinaltugenden: Tapferkeit, des stets rechte Maß, Gerechtigkeit und natürlich auch Klugheit.

 

Schön beschreibt das auch der heilige Augustinus in seinem Buch „Über das Glück“: „Denn Weisheit ist letztlich nichts anderes als das Maß unseres Geistes, wodurch dieser im Gleichgewicht gehalten wird, damit er weder ins Übermaß ausschweife, noch in die Unzulänglichkeit falle. … Hat der Geist jedoch Weisheit gefunden, hält dann den Blick fest auf sie gerichtet… dann brauchte er weder Unmaß, noch Mangel, noch Unglück zu fürchten. Dann hat er sein Maß, nämlich die Weisheit und ist immer glücklich.“

 

In diesem Sinn und in Anlehnung an ein Zitat aus dem Römerbrief (12,18): Suche Weisheit und jage ihr nach!